Worum geht’s?

Das Macht-Spiel ist ein analoges Planspiel für Architektur- und Planungsbüros, das Büros befähigen soll, neue Modelle der Zusammenarbeit ko-kreativ zu entwickeln. Als Tool für Organisationsentwicklungen eröffnet es einen Erfahrungsraum, in dem Strukturarbeit, Teamentwicklung und Reflexion komplexer sozialer Dynamiken sicht- und verhandelbar werden. Die Teams, die das Spiel spielen entwickeln entlang ihrer Bedürfnisse Modelle, die sie im Anschluss in den Alltag übertragen und testen. Das können minimale Schritte zur Verantwortungsverteilung bis hin zu neuen Strukturen sein. Darüber hinaus macht das Spiel humorvoll verdeckte Machtdynamiken erlebbar und übersetzt sie in respektvolle Zusammenarbeit.

Hintergrund

Planungs- und Architekturbüros operieren unter extrem hohen Druck: knappe Honorare, knappe Auftragslage, hoher Wettbewerbsdruck, komplexe Projekte, hohe Verantwortung (für Menschen, Qualität und Finanzen). Diese Last tragen Führungskräfte oft weitgehend allein, in Strukturen, die historisch auf wenige Schultern ausgelegt wurden.

Dabei ist die Branche längst vielfältiger geworden. Demografisch, fachlich und in den Lebensrealitäten der Mitarbeitenden. Christoph May, Germanist und Männerforscher, beschreibt, wie monokulturelle Strukturen nicht nur Vielfalt hemmen, sondern auch jene belasten, die sie tragen.

Die Folgen sind bekannt: Verantwortungsstrukturen, die selten die vorhandenen Kompetenzen umfänglich nutzen, hoher Reibungsverlust, Lange Arbeitszeiten, hoher Zeitdruck und destruktive Dynamiken. Unbewusste Annahmen über Führung und Leistung beeinflussen subtil, wer Projekte bekommt, wer aufsteigt und wer dabei unsichtbar bleibt. Frauen, Eltern, Nachwuchskräfte und erfahrene Planer:innen, deren Wissen in schnelllebigen Umfeldern zu selten genutzt wird.

Das Ergebnis ist eine strukturelle Ressourcenverschwendung: rund 7.700 unbesetzte Stellen, hohe Fluktuation, Produktivitätsverlust. Eine Branche, die unter Fachkräftemangel leidet und dabei das Potenzial, das bereits in ihr steckt, noch zu wenig aktiviert.

Das Macht-Spiel setzt da an, wo Macht- und Belastungsungleichheiten verankert sind: bei den strukturellen und kulturellen – und deshalb oftmals auch unsichtbaren – Barrieren. Es adressiert die strukturelle Ebene und behandelt Macht nicht als Defizit, sondern als gestaltbare Ressource. Damit eröffnet es Teams einen Erfahrungsraum, in dem Macht, Kraft und Verantwortung sichtbar, neu verhandelt und ausprobiert werden kann.